Underground I/II
Etienne Frey / Genf
Uraufführung 1985
Festival Tanzszene Luzern
Sinopia Ensemble
La Chaux-de-Fonds
Musik: Tom Waits
Originalbesetzung
Choreografie: Etienne Frey
Tanz: Cathy Dethy, Jean-Claude Pavailli & Etienne Frey.
Licht: Dominique Dardant
Neuinterpretation 2026
Compagnie Arabesque, Sitten
Coach: Etienne Frey
Projektleitung: Emmanuelle Derivaz
7 Tänzerinnen, 1 Tänzer
13–30 Jahre
Pablo Beney, Elena Betrisey, Jana Dahmen, Sarah Giaccari, Eggs Irina, Naïka Mathieu, Océane Seppey & Sherine Seppey.
Texte
Etienne Frey & Emmanuelle Derivaz
Technik
Fusion aus modern-klassischem und zeitgenössischem Theatertanz
Underground I und Underground II sind choreografische Herzensschreie! Ein weit aufgerissener Mund, der die Welt herausfordert, aus dem aber, wie in einem Albtraum, kein Laut dringt. Entstanden aus der Begegnung mit dem phänomenalen Werk von Tom Waits, verleihen diese beiden Stücke jenen einen Körper, ein Leben und eine Sprache, die auf der Strecke geblieben sind – all jenen, die unfähig, den Anforderungen der Gesellschaft zu entsprechen oder sich ihnen zu fügen, schlicht im Stich gelassen, ausgelöscht und am Wegrand vergessen werden. Hin- und hergerissen zwischen Hoffnung und Nichts, mundtot gemachte Zuschauer:innen eines blinden Systems, das in seiner rücksichtslosen Vorwärtsflucht gnadenlos aussortiert, überleben sie. Doch im Verlauf ihres Umherirrens bahnt sich das Leben weiterhin seinen Weg, aus dem das Bedürfnis nach dem anderen, nach Zärtlichkeit, Poesie und verschwörerischen Aufschwüngen entsteht.
Choreograf
Etienne Frey
Von Balanchine in New York über Béjart in Brüssel, von Moskau bis Tokio, mit Zwischenstationen in Kuba oder den meisten Ländern Europas, hat Etienne Frey rund fünfzig Kreationen in allen Ecken der Welt getanzt und choreografiert – überall dorthin, wohin ihn der Tanz getragen hat! Als Preisträger zahlreicher internationaler Wettbewerbe gründete er 1984 in La Chaux-de-Fonds das Ensemble SINOPIA. Als Coach, Kunsttherapeut, Choreograf und Gastdozent lebt er heute in Genf.
Gruppe
Cie Arabesque
Seit ihrer Gründung 1990 ermöglicht die Académie de Danse ARABESQUE Tanzbegeisterten jeden Alters, sich im Tanz zu entfalten. Emmanuelle Derivaz, der es zudem ein Anliegen ist, zur Ausstrahlung dieser Kunstform im Kanton Wallis beizutragen und mit Künstler:innen der Region zusammenzuarbeiten, gründete im Anschluss daran die Cie Arabesque. Damit erhalten die engagiertesten Schüler:innen die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln und bereichernde Erfahrungen zu sammeln, die verschiedene Kunstformen und Ausdrucksweisen miteinander verbinden.
Neuinterpretation
Bevor die Vermittlung der Choreografie in Angriff genommen wurde, war es wichtig, dass die künftigen Interpret:innen zunächst in die theatrale Welt der Stücke eintauchten und ihre ganz besonderen Figuren kennenlernten – Figuren, die weit entfernt sind von dem Bild, das man sich gemeinhin von Tänzer:innen auf der Bühne macht. Sie sollten die Musik von Tom Waits entdecken und sich in Workshops mit Schauspiel- und Clownsarbeit sowie mit einer Qualität des körperlichen Kontakts vertraut machen, bei der die Berührung von zentraler Bedeutung ist. Anschliessend erarbeiteten wir Tanzsequenzen, um uns dem technischen Aspekt der Bewegungssprache von Etienne Frey anzunähern. Schliesslich, bereichert durch diesen Prozess, wandten wir uns den Originalteilen zu – stets darauf bedacht, dass die Figuren nicht hinter der Komplexität gewisser choreografischer Abfolgen verschwinden, sondern im Gegenteil deren wahre Interpret:innen bleiben.