Betwixt and Between
Karin Hermes / Bern
Uraufführung 2008
Betwixt and between
Dialog With « Rooms » Of Anna Sokolow (1954)
Centre national de la danse de Pantin
hermesdance
Live-Musik: Jonas Tauber Trio
Originalbesetzung
Choreografie: Karin Hermes
Bühnenbild: Jann Messerli
Licht: Fiona Zolg
Regie: Josef Busta
Tanz: Lucas Balegno, Sebastian Gehrke, Deborah Hofstetter, Eliane Krauer, Agata Lawniczak, Philia Maillardet & Adrian Rusmali.
Live-Musik Jonas Tauber Trio: Christoph Baumann, Tony Renold & Jonas Tauber.
Neuinterpretation 2026
Afree Dance Company
Porrentruy
Coaches: Karin Hermes & Agata Lawniczak
Projektleitung: Amadou Dieng
5 Tänzerinnen, 2 Tänzer
18–50 Jahre
Pierre-Alain Jolivot, Émilie Nicoulin, Séverine Rotunno, Lucine Plumey, Amélie Graber, Elvire Six & Amadou Dieng.
Texte
Karin Hermes & Amadou Dieng
Technik
Zeitgenössisch
mit historischen Elementen aus der Bauhaus-Zeit
Erster Teil einer Trilogie, deren Titel sowohl «weder das eine noch das andere» als auch «zwischen den beiden» bedeutet und sich dem Thema des Dialogs zwischen Ich und Du widmet. Beeinflusst von der Dialogphilosophie Martin Bubers (Ich und Du) eröffnete mir dieser Ansatz neue Perspektiven im Umgang mit dem Thema der Einsamkeit, das dem Originalstück von Anna Sokolow zugrunde liegt. Einsamkeit kann das Leiden des Individuums sein, das mit seinen eigenen Grenzen angesichts seiner Wünsche konfrontiert wird, und ich wollte dies vertiefen, indem ich mich fragte, ob die Sehnsucht nach Ganzheit ihre Quelle ist. Laut Platon gab es ursprünglich ein drittes Wesen, zugleich männlich und weiblich, mit vier Armen und vier Beinen, das entzweigeschnitten wurde wie eine Frucht. Sind wir darauf reduziert, ein Teil eines Ganzen zu sein? Woraus besteht dieses Ganze? Diese Frage stellt sich umso mehr in unserer von Vielfalt durchdrungenen Welt. Ich möchte einen Satz von Martin Buber zitieren, der unseren kreativen Prozess enorm beeinflusst hat und für die Tänzer:innen eine Inspirationsquelle war: «Am Du wird der Mensch zum Ich.»
Choreografin
Karin Hermes
Als Choreografin, Choreologin und Tänzerin gründete sie hermesdance im März 2007 und entwickelt eine Tanzsprache, die Themen der menschlichen Existenz vermittelt. In ihrem choreografischen Prozess erprobt sie Dekonstruktion, Zitat, Variation und Collage. Ihre Arbeit basiert auf dem Studium notierter Werke der Tanzgeschichte. Karin Hermes ist seit vielen Jahren eine international anerkannte Spezialistin für das Repertoire des 20. Jahrhunderts. Sie hat sich mit den Werken folgender Choreograf:innen befasst: Dominique Bagouet, Hanya Holm, Lester Horton, Doris Humphrey, Kurt Jooss, Alwyn Nikolais, Yvonne Rainer, Anna Sokolow, Helen Tamiris, Antony Tudor, Charles Weidman und viele andere. Karin Hermes ist Autorin von Tanznotationen, Fachpublikationen und Tanzdokumentationen. Seit 2007 ist sie «Associate Adviser» des Dance Notation Bureau in New York.
Gruppe
Afree Dance Company
Die Gruppe setzt sich aus Schüler:innen der 2016 von Amadou Dieng gegründeten Tanzschule zusammen. Er ist diplomierter Tänzer-Choreograf der Ecole Nationale des Arts de Dakar in Senegal sowie J+S-Leiter für Gymnastik und Jugendtanzsport. Er erhielt den Tanzpreis am internationalen Festival für Folklore und Perkussion in Louga, Senegal, sowie 2021 den Kulturpreis der Stadt Porrentruy. Die Tanzschule organisiert Tanzkurse, Konzerte und Aufführungen, insbesondere mit dem Ziel, die Tanzkultur in ihren verschiedenen Formen und Stilen zugänglich zu machen.
Neuinterpretation
«Wenn ein einziger Farbtropfen in klares Wasser fällt, verändert sich alles.» Dieser Satz prägt unsere aktuelle Neuinterpretation. Der Dialog von Karin Hermes mit der Choreografie «Rooms» von Anna Sokolow führte 2008 zu einer Koproduktion mit dem Centre national de la danse in Paris. Rooms, 1954 uraufgeführt, ist ein bedeutendes Werk der Tanzgeschichte; es beschwört die Einsamkeit des Individuums in den Grossstädten herauf. Karin Hermes fügt dem die Suche nach Ganzheit hinzu, indem sie sich auf den Mythos der kugelförmigen Wesen des griechischen Philosophen Platon bezieht, in dem jede Hälfte die andere sucht, um wieder vollständig zu werden. Diese zweite Version des Neuinterpretationsprojekts führt die erste Version der 3. Ausgabe 2022–2023 fort, die aus gesundheitlichen Gründen künstlerisch nicht zu Ende geführt werden konnte. Wir haben die Arbeit drei Jahre später wiederaufgenommen, in einer leicht veränderten Konstellation, mit einer kleineren Gruppe, aber mit Amadou, und wobei Agata Karin bei der Coaching-Arbeit unterstützen konnte.
2025/2026 integrieren wir choreografische Phrasen von 1954 und 2008 und schaffen sie mit den Tänzer:innen der Afree Dance Company neu. Agata Lawniczak tanzte 2008 bei der Uraufführung von Betwixt and Between, a dialog with «Rooms» by Anna Sokolow. Karin und Agata entwickeln diese Arbeit heute gemeinsam mit Amadou Dieng und den Tänzer:innen weiter, indem sie mit Variation, Transformation und Metamorphose experimentieren — im selben Geist: das Abenteuer geht weiter!
Photos 2026 Sabine Burger
Videoaufnahme 2026 Ehret Media