Betwixt and Between
Karin Hermes / Bern
Uraufführung 2008
Centre national de la danse
Pantin (F)
hermesdance
Livemusik: Jonas Tauber Trio
Originaltitel
Betwixt and between
Dialog with "Rooms" of Anna Sokolow (1954)
Originalbesetzung
Choreografie: Karin Hermes
Bühnenbild: Jann Messerli
Licht: Fiona Zolg
Technik: Josef Busta
Tanz: Lucas Balegno, Sebastian Gehrke, Deborah Hofstetter, Eliane Krauer, Agata Lawniczak, Philia Maillardet & Adrian Rusmali
.
Trio: Christoph Baumann, Tony Renold & Jonas Tauber
Neuinterpretation 2023
Afree Dance Company
Porrentruy
Coaching: Karin Hermes
Assistenz: Deborah Hofstetter, Joanna Hermes
Projektleitung: Amadou Dieng
9 Tänzerinnen, 2 Tänzer
16–50 Jahre
Justine Boéchat, Chloé Choffat, Elio Gallardo, Sofia Humard, Pierre-Alain Jolivot, Émilie Nicoulin, Lucine Plumey, Séverine Rotunno, Elvire Six.
Texte
Karin Hermes
Amadou Dieng
Technik
Zeitgenössisch mit historischen Elementen
Erster Teil einer Trilogie, deren Titel sowohl «weder das eine noch das andere» als auch «dazwischen» bedeutet und die das Thema des Dialogs zwischen Ich und Du behandelt. Beeinflusst von Martin Bubers Dialogphilosophie (Ich und Du) eröffnete mir dieser Ansatz neue Perspektiven auf das Thema der Einsamkeit, das dem Originalstück von Anna Sokolow zugrunde liegt. Einsamkeit kann das Leiden des Einzelnen sein, der angesichts seiner Wünsche an die eigenen Grenzen stösst. Ich wollte dem nachgehen und fragte mich, ob die Sehnsucht nach Ganzheit deren Ursprung ist. Laut Platon gab es ursprünglich ein drittes Wesen, zugleich männlich und weiblich, mit vier Armen und vier Beinen, das in zwei Hälften geteilt wurde, wie man eine Frucht zerschneidet. Sind wir darauf reduziert, Teil eines Ganzen zu sein? Woraus besteht dieses Ganze? Diese Frage stellt sich umso mehr in unserer von Vielfalt überfluteten Welt. Ich möchte einen Satz von Martin Buber zitieren, der unseren kreativen Prozess stark geprägt hat und den Tänzer*innen als Inspiration diente: «Ich werde am Du; Ich werdend spreche ich Du.»
Choreografin
Karin Hermes
Die Choreografin, Choreologin und Tänzerin gründete im März 2007 hermesdance und entwickelt eine Tanzsprache, die Themen der menschlichen Existenz vermittelt. Im choreografischen Prozess experimentiert sie mit Dekonstruktion, Zitat, Variation und Collage. Ihre Arbeit basiert auf dem Studium notierter Werke der Tanzgeschichte. Seit vielen Jahren ist Karin Hermes eine international anerkannte Spezialistin für das Repertoire des 20. Jahrhunderts. Sie hat sich mit den Werken folgender Choreograf*innen befasst: Dominique Bagouet, Hanya Holm, Lester Horton, Doris Humphrey, Kurt Jooss, Alwin Nikolais, Yvonne Rainer, Anna Sokolow, Helen Tamiris, Antony Tudor, Charles Weidman und vielen anderen. Karin Hermes ist Autorin von Tanznotationspartituren, Fachpublikationen und Dokumentarfilmen über Tanz. Seit 2007 ist sie «Associate Adviser» des Dance Notation Bureau in New York.
Gruppe
Afree Dance Company
Die Gruppe besteht aus Schüler*innen der Tanzschule, die Amadou Dieng 2016 gegründet hat. Er ist diplomierter Tänzer und Choreograf der École Nationale des Arts in Dakar, Senegal, sowie J+S-Leiter Gymnastik und Tanz (Jugend+Sport). Er erhielt den Tanzpreis am Festival international de folklore et de percussion in Louga, Senegal, und 2021 den Kulturpreis der Stadt Porrentruy. Die Tanzschule organisiert Tanzkurse, Konzerte und Aufführungen, insbesondere mit dem Ziel, die Tanzkultur in ihren verschiedenen Formen und Stilen erlebbar zu machen.
Neuinterpretation
Diese Choreografie wurde als Dialog mit dem Text von Anna Sokolow aus dem Jahr 1954 konzipiert, einer radikalen Künstlerin, die sich gegen den Konformismus und die gängigen Vorstellungen ihrer Zeit auflehnte. Die Gruppe der sieben Tänzerinnen und zwei Tänzer der Schule esprit-danse in Porrentruy kennt sich gut, da sie im Rahmen der von Amadou Dieng geleiteten Aktivitäten bereits viel zusammen getanzt hat. Die Neuinterpretation von Betwixt and Between beruht auf demselben Prozess wie die Uraufführung: Karin Hermes erarbeitete mit der Gruppe originales choreografisches Material, anschliessend konnten alle entsprechend ihren Fähigkeiten, Wünschen und ihrer Rolle in der Gruppe auswählen. Eine Neuinterpretation dieses Stücks mit seiner Urheberin zu erarbeiten, insbesondere die verschiedenen Soli und die präzise Armarbeit, war für die Gruppe und ihre neun Tänzerinnen und Tänzer ein aussergewöhnliches Abenteuer.
Fotos 2023 Sabine Burger
Videoaufnahme 2023,
Ehret Media